![]() |
|
the uninvited guest - Druckversion +- Slayertime (https://slayertime.de) +-- Forum: Los Angeles (https://slayertime.de/forumdisplay.php?fid=103) +--- Forum: Los Angeles (https://slayertime.de/forumdisplay.php?fid=104) +---- Forum: Bars, Clubs & Restaurants (https://slayertime.de/forumdisplay.php?fid=105) +----- Forum: Valen & Vice (https://slayertime.de/forumdisplay.php?fid=202) +----- Thema: the uninvited guest (/showthread.php?tid=2255) Seiten:
1
2
|
RE: the uninvited guest - Hope Marshall - 16.08.2026 Mammons teuflisches Grinsen machte es Hope nicht leichter, den Gedanken wieder loszuwerden, den sie selbst überhaupt erst ausgesprochen hatte. Vielleicht würde sie tatsächlich gar nichts tun können, wenn einer dieser Menschen wirklich vor ihr stünde. Vielleicht würde ihre ganze Wut in dem Moment einfach verschwinden und nur noch das Mädchen übrig bleiben, das früher gelernt hatte, stillzuhalten und abzuwarten. Doch genauso wenig konnte sie ausschließen, dass das Gegenteil geschah. Dass Jahre voller Angst, Hilflosigkeit und unterdrückter Wut plötzlich einen Ausgang fanden und sie tatsächlich nicht wusste, wann genug war. Mammons Aufforderung, es einfach auszuprobieren, ließ ihre Finger sich fester um den Taschenriemen schließen. Er sagte es beinahe so beiläufig, als müsste sie lediglich herausfinden, ob ihr ein bestimmtes Getränk schmeckte. Hope erwiderte nichts darauf, doch allein die Tatsache, dass sie das Angebot noch immer nicht vollständig von sich wies, beunruhigte sie. Seine anschließende Begeisterung für Folter tat ihr Übriges. Die Dunkelhaarige hob den Blick wieder zu ihm, als er von Flehen und Schreien sprach, und etwas in seinem Gesicht erinnerte sie sehr deutlich daran, dass sie hier nicht mit einem Menschen diskutierte, der bloß einen etwas morbiden Geschmack besaß. Für Mammon war das offenbar tatsächlich Unterhaltung. Kein moralischer Abgrund, keine Grenze, die überschritten wurde, sondern etwas, mit dem er aufgewachsen war. Als er ihr schließlich erklärte, dass sie ohnehin nicht darüber zu bestimmen habe, ob er dabei zusah, weil es sein Club, sein Keller und damit seine Regeln waren, sank ihr Blick langsam zur Seite. Ein unangenehmes Gefühl legte sich in ihren Magen. In ihrer Vorstellung hatte ausgerechnet dieser Raum für einen kurzen Moment bedeutet, endlich selbst entscheiden zu können: Wann eine Tür geschlossen blieb, wer einen Schlüssel besaß und wann etwas aufhörte. Mammons Worte nahmen dieser Vorstellung einen Teil ihres Reizes, weil selbst dort letztlich wieder jemand anderes bestimmen würde, welche Regeln galten. Nicht einmal in ihrer eigenen Rache wäre die Kontrolle vollständig ihre. Hope presste die Lippen kurz aufeinander und sagte nichts mehr dazu. Sie wusste ohnehin nicht, ob sie überhaupt jemals den Mut – oder die Grausamkeit – besitzen würde, Mammons Angebot wirklich anzunehmen. Viel stärker beschäftigte sie dagegen, was er anschließend über ihren Körper behauptete. Hope sah ihn zunächst nur irritiert an, während Mammon mit der Selbstverständlichkeit eines Mannes sprach, der offenbar keinerlei Zweifel daran kannte, körperliche Reaktionen richtig lesen zu können. Vielleicht konnte er das sogar. Vielleicht hatte er recht damit, dass ihr Körper seine Berührungen nicht ausschließlich als unangenehm empfunden hatte. Genau diese Möglichkeit hatte Hope im Fahrstuhl selbst bereits erschreckt. Aber je länger er redete, desto deutlicher wurde ihr, dass er auf eine Frage antwortete, die sie ihm überhaupt nicht gestellt hatte. „Ich… ich habe doch gar nicht gesagt, dass…“ Sie brach ab. Schon der Versuch, es auszusprechen, ließ erneut Wärme in ihre Wangen steigen. Ihr Blick flüchtete zur Etagenanzeige und für einen Moment bewegten sich ihre Lippen lautlos, als müsste sie erst eine Formulierung finden, bei der sie nicht am liebsten im Boden versinken wollte. „Dass mein Körper… also… dass er nicht darauf reagiert hat.“ Hope schluckte und hob den Blick nur kurz wieder zu Mammon. Allein dieses indirekte Eingeständnis fühlte sich viel zu intim an. Es bedeutete, anzuerkennen, dass diese Wärme, das Ziehen in ihrem Bauch und jene erschreckend intensive Wahrnehmung seiner Finger nicht ausschließlich Angst gewesen waren. „Aber das… das war doch nicht meine Frage“, fügte sie leiser hinzu. Ihre Stirn legte sich leicht zusammen, während sie versuchte, ihre eigenen Gedanken überhaupt zu ordnen. „Ich wollte wissen, ob… ob das automatisch heißt, dass ich es auch wollte.“ Das letzte Wort kam kaum hörbar über ihre Lippen. Vielleicht bestand das Problem tatsächlich nicht darin, dass Mammon ihren Körper falsch gelesen hatte. Vielleicht bestand es vielmehr darin, dass er glaubte, damit automatisch auch sie gelesen zu haben. Ihr Körper konnte auf seine Nähe reagieren, vielleicht sogar auf eine Art, die Mammon aus Erfahrung sehr genau kannte, und trotzdem wusste Hope noch immer nicht, ob sie ihn hätte küssen wollen. Ob sie mehr gewollt hätte. Ob sie überhaupt hätte entscheiden können, solange sie gleichzeitig zwischen Anziehung, Angst und Erinnerungen festhing. Dass all diese Dinge gleichzeitig existieren konnten, machte die Antwort für sie selbst nicht einfacher. Sein selbstzufriedenes „Gern geschehen“ brachte Hope schließlich für einige Sekunden vollständig aus dem Konzept. Ihre Augen wurden etwas größer und ihr Mund öffnete sich bereits, als wolle sie ihm sofort widersprechen. Doch kein Wort folgte. Stattdessen schloss sie die Lippen wieder, während sich die Röte in ihrem Gesicht nur noch vertiefte. Ihr Blick wich hastig aus und eine Hand hob sich beinahe unbewusst ein Stück in Richtung ihres Halses, verharrte jedoch auf halbem Weg, bevor Hope sie wieder sinken ließ. Gerade weil sie nicht ehrlich behaupten konnte, dass wirklich jede Sekunde seiner Berührung ausschließlich unangenehm gewesen war, fehlte ihr plötzlich jede passende Erwiderung. Sie hasste, wie zufrieden Mammon damit wirkte. Fast noch mehr hasste sie, dass irgendein kleiner, verwirrter Teil von ihr nicht einmal vollständig wusste, ob er mit seinem überheblichen Dank tatsächlich vollkommen danebenlag. Als der Fahrstuhl schließlich langsamer wurde und kurz darauf zum Stillstand kam, löste sich etwas in Hopes Brust, noch bevor sich die Türen vollständig geöffnet hatten. Das gedämpfte Geräusch des Clubs drang zuerst zu ihr herein, ein tiefer Bass, der mehr durch den Boden und ihre Beine zu spüren war als wirklich gehört wurde, darüber Stimmen, Gelächter und das helle Klirren von Gläsern. Dann schob sich warme Luft in die Kabine, schwer von Parfüm, Alkohol und jener kaum greifbaren Mischung aus Menschen, Wärme und Nacht, die vollkommen anders roch als das abgeschlossene Penthouse über ihnen. Hope atmete tiefer ein. Erst jetzt bemerkte sie, wie flach sie zuvor noch geatmet hatte. Ihre Beine fühlten sich weiterhin etwas weich an, und an Hals, Hüfte und Unterlippe schien ihr Körper Mammons Berührungen noch immer viel deutlicher gespeichert zu haben, als ihr lieb war, doch allein der offene Raum vor ihr ließ die Enge des Fahrstuhls weniger bedrohlich erscheinen. Menschen bewegten sich hintereinander durch Licht und Schatten, dunkle Flächen wurden von Gold durchbrochen, irgendwo spiegelte sich das Licht in Glas und Metall, während die Musik wie ein gleichmäßiger Puls durch den Raum lief. Hope blieb einen Augenblick an der Schwelle stehen und ließ ihren Blick langsam über den Club wandern. Für einen kurzen Moment verstand sie zumindest, weshalb dieser Ort Lamias Aufmerksamkeit bekommen hatte. Alles daran wirkte beinahe darauf ausgelegt, Begierden zu wecken – luxuriös, dunkel, ein wenig übertrieben und gleichzeitig so selbstverständlich sündhaft, dass Hope unwillkürlich wieder an den Mann neben sich dachte. Doch diesmal wollte sie nicht wissen, was Lamia hier gesehen oder empfunden hatte. Hope trat schließlich aus dem Fahrstuhl und ließ den Blick noch einmal durch den Raum gleiten. Sie wollte diesen Ort selbst kennenlernen. Mit ihren eigenen Augen, ihren eigenen Eindrücken und vielleicht zum ersten Mal herausfinden, was von all dem eigentlich sie selbst faszinierte. Die Musik war hier draußen deutlich lauter als noch in der Kabine, der Bass vibrierte spürbar unter ihren Sohlen und zwang Hope beinahe dazu, ihre Stimme etwas anzuheben. Trotzdem blieb ihr Blick aufmerksam im Raum hängen, ehe sie schließlich wieder zu Mammon sah. „Und… was zeigst du mir zuerst?“, fragte sie, noch immer ein wenig zurückhaltend, aber mit einer Neugier, die inzwischen kaum noch zu verbergen war. RE: the uninvited guest - Mammon - 20.08.2026 Mammon sah, wie sie ihren Blick leicht zur Seite glitt, als er meinte, dass es seine Regeln waren. Vielleicht sollte er dies genauer erklären? “Im Grunde gibt es nur eine Regel da unten im Folterbereich…” Er hielt kurz inne, wiegte mit dem Kopf kurz hin und her, ehe er wieder zu Hope da. “Nun ja… in deinem Fall eher 2 Regeln.” Gestand er und hob nun seine rechte Hand. Man sah, wie sich nur der Zeigefinger streckte. “Regel Nummer eins, ich schaue zu.” Sprach er und streckte dann noch den Mittelfinger aus. “Regel Nummer zwei, gehe deinen Begierden nach.” Das war es auch schon. “Ich schreib dir nicht vor, was du mit demjenigen tun sollst. Ich will einfach nur mit im Raum sein. Der Rest ist ganz dir überlassen.” Das musste aber als Erklärung genügen. Sie sollte sich frei entfalten können, aber er wollte eben dabei zusehen. Somit hatten sie doch beide, was sie begehrten. Hope konnte ihrer Begierde der Rache nachkommen und Mammon eben der Unterhaltung daran. Ein fairer Deal, wie er fand. Irritiert sah er sie an. Was sollte das denn bitte heißen? Mammons eine Augenbraue ging nach oben. “Natürlich heißt es das! Was ist das für eine Frage?” Also wirklich! Er war fast schon ein wenig empört! Nein, das verstand er absolut nicht und Hope würde feststellen, dass er es wirklich so meinte. Ob Mammon sich fragte, was es sonst heißen sollte? Vielleicht wäre das keine schlechte Idee, aber warum sollte er? Bisher war es doch immer eindeutig gewesen, zumindest mit denen er intim wurde. Sie wollten es schlussendlich alle! Konnte der Teufelssohn auch gut verstehen. Wer konnte schon bei solch einem Körper, wie er ihn hatte, widerstehen? Dazu noch der Reiz der Gefahr! Da war es doch nur logisch, dass jeder schwach werden würde. Deswegen war er sich auch sicher, dass Hope es wollte, sie es aber eben noch nicht gewusst hatte. War doch klar! Deswegen hatte Mammon schließlich auch gemeint, dass es gern geschehen war. Großzügig, wie er fand. Ob sie es auch so sah? Mammon wusste es nicht und ehrlicherweise machte er sich darüber auch keine weiteren Gedanken, auch weil nun die Aufzugstür sich öffnete und die Stille sofort vorbei war. Im Club war es laut, die Lichter flackerten und man spürte regelrecht, wie es hier pulsierte durch all diese Menschen und Dämonen. Es war das reinste Kontrastprogramm zu seinem Penthouse. Mammon grinste bei dem Anblick. Die Idee mit dem Nachtclub war ein reinster Goldgriff gewesen. Die Leuten kamen, ließen sich von ihren Begierden treiben und gaben Geld aus. Mammons Blick wanderte dann jedoch zu Hope. Er konnte nicht direkt deuten, was durch ihren Kopf durchging. War sie mit diesem kompletten Gegenteil von gerade eben überfordert? Fasziniert? Vielleicht irgendwie… beides? Jedoch sagte Mammon nichts, sondern beobachtete sie weiter. „Und… was zeigst du mir zuerst?“ Seine Augen ruhten auf ihr und das Grinsen war er beim Anblick in seinen Club sich gebildet hatte, wurde zu einem neugierigen Lächeln. “Dort wäre die Bar, die Tanzfläche, die privaten Räume, die VIP-Galerie und den Keller.” Zählte er auf und deutete dabei jeweils in die Richtung, wo sich was befand. Danach erfolgte wieder eine kleine Pause, ehe er dann sie wieder direkt ansah. “Und? Was begehrst du denn als erstes zu sehen?” Fragte er dann schließlich. Warum er sie fragte? Nun, sein Plan war, dass sie sich wirklich ihren Begierden hingab und irgendwo musste man da damit anfangen. RE: the uninvited guest - Hope Marshall - 21.08.2026 Dass Mammon seine Regeln nun noch einmal so deutlich auf zwei Punkte herunterbrach, machte die Vorstellung von dem Keller nicht unbedingt beruhigender. Hopes Blick blieb einen Moment an den beiden ausgestreckten Fingern hängen, während er erklärte, dass er lediglich zusehen und sie ansonsten ihren Begierden überlassen würde. Ausgerechnet das war es, was sich danach in ihren Gedanken festsetzte. Er würde ihr nicht vorschreiben, was sie tun sollte. Sollte sie tatsächlich irgendwann einem dieser Menschen gegenüberstehen und nichts tun können, wäre auch das ihre Entscheidung. Sollte sie dagegen anfangen und nicht wissen, wann sie aufhören musste, könnte sie ebenso wenig behaupten, jemand anderes hätte sie dazu gebracht. Doch noch eine andere Frage schob sich dazwischen, während Hope bereits den Mund öffnete und ihn gleich darauf wieder schloss. Wenn Mammons einzige Regel lautete, ihren Begierden nachzugehen – was geschah dann, wenn sie irgendwann einfach aufhören wollte? Wenn genau das in diesem Moment ihr stärkster Wunsch wäre? Müsste er sie dann nicht ebenso gewähren lassen? Für einen Augenblick hob sie den Blick zu ihm, als läge die Frage bereits auf ihrer Zunge, doch schließlich ließ sie sie unausgesprochen. Gerade jetzt wollte sie die Antwort gar nicht wissen. Dass Mammon ihren Wunsch nach Rache überhaupt in etwas verwandelt hatte, das plötzlich erreichbar erschien, beschäftigte sie schon genug. Seine Reaktion auf ihre andere Frage ließ Hope dagegen beinahe regungslos werden. Sie sah ihn länger an, die Stirn leicht zusammengezogen, und begriff erst nach einigen Sekunden, dass er sie tatsächlich nicht missverstanden hatte. Für Mammon war die Antwort wirklich so einfach. Ihr Körper hatte reagiert, also hatte sie gewollt, was er mit ihm getan hatte. Punkt. Als wäre alles, was Hope darüber hinaus dachte, lediglich eine nachträgliche Ausrede. Ihr Blick glitt schließlich zur Seite, ohne dass sie erneut versuchte, ihm den Unterschied zu erklären. Sie hatte es bereits getan. Trotzdem blieb etwas von seiner Gewissheit in ihr hängen, weil sie sich nicht vollständig davon freimachen konnte, wie verführerisch einfach diese Vorstellung eigentlich war. Was wäre, wenn sie für einen Moment tatsächlich nur darauf hörte, was ihr Körper sagte? Wenn sie aufhörte, jede Berührung durch Erinnerungen hindurchzuzwingen, jede Reaktion zu überprüfen, jede Regung danach zu sortieren, ob sie zu ihr oder vielleicht doch zu Lamia gehörte? Kein Was, wenn. Kein Das solltest du nicht. Kein Nachdenken darüber, welche Konsequenz ein Gefühl haben konnte. Nur die Frage, ob sich etwas gut anfühlte. Im Fahrstuhl hätte ihr Körper darauf zumindest nicht ausschließlich mit Nein geantwortet. Allein diese Erkenntnis ließ Wärme erneut in ihr Gesicht steigen. Vielleicht wäre es tatsächlich leichter, die Gedanken einfach auszublenden. Doch Hope wusste ebenso, dass genau diese Gedanken sie bisher gewarnt, geschützt und Grenzen überhaupt erst sichtbar gemacht hatten. Leichter bedeutete nicht automatisch sicherer. Als Mammon sie nach dem Hinaustreten aus dem Fahrstuhl schließlich aufforderte, zu entscheiden, was sie als Erstes begehrte, löste sich ihr Blick von ihm und folgte seiner Hand beinahe automatisch durch den Club. Bar, Tanzfläche, private Räume, Galerie, Keller. Jedes Mal, wenn seine Finger in eine andere Richtung deuteten, schien ihr Blick von der Bewegung regelrecht mitgezogen zu werden. Bei den privaten Räumen verweilte sie kaum; nach der Enge des Fahrstuhls übte die Vorstellung einer weiteren abgeschiedenen Tür gerade keinerlei Reiz auf sie aus. Auch die Tanzfläche war ihr im ersten Moment zu viel – zu viele Menschen, zu viele Körper, zu wenig Abstand. An der Galerie blieb ihr Blick dagegen merklich länger hängen. Von dort oben müsste man wahrscheinlich fast alles sehen können. Als Mammon schließlich zum Keller deutete, folgten ihre Augen auch diesmal, nur kehrten sie nicht sofort zurück. Irgendwo dort unten lagen also tatsächlich jene Räume, über die sie gerade gesprochen hatten. Einen Augenblick zu lange sah Hope in diese Richtung, ehe sie sich selbst dabei ertappte und den Blick beinahe hastig wieder löste. Erst danach drang Mammons Wortwahl wirklich zu ihr durch. Was begehrst du? Natürlich hatte er nicht gefragt, was sie sehen wollte. Hope sah kurz zu ihm zurück. Sie verstand inzwischen durchaus, was er versuchte. Er wollte keine vernünftige Entscheidung von ihr. Er wollte etwas, das sie einfach haben wollte. Und vielleicht konnte sie ihm genau das geben, ohne gleich in einem Folterkeller zu landen. „Die Bar“, antwortete sie schließlich, noch immer etwas zurückhaltend, und deutete mit dem Blick dorthin. „Ich möchte… etwas trinken, das mir auch wirklich schmeckt.“ Der Gedanke an den Scotch ließ ihre Nase kaum merklich kräuseln. „Etwas Süßes. Aber nicht nur süß.“ Sie überlegte sichtbar, weil ihr die Namen irgendwelcher Cocktails ohnehin nichts sagten. „Fruchtig vielleicht. Und ein bisschen säuerlich.“ Nach kurzem Zögern ergänzte sie leiser: „Nur nichts so Bitteres wie der Scotch von eben.“ Der Blackberry Bramble, der schließlich vor ihr stand, sah bereits erheblich freundlicher aus als Mammons Scotch. Hope betrachtete die dunkelviolette Flüssigkeit zunächst misstrauisch, hob das Glas dann aber an die Lippen und nahm vorsichtig einen kleinen Schluck. Brombeere kam zuerst, süß und fruchtig, unmittelbar gefolgt von einer frischen Säure, die verhinderte, dass der Geschmack schwer wurde; der Alkohol meldete sich erst danach als Wärme, statt ihr wie beim Scotch beinahe die Kehle hinunterzubrennen. Hopes Augen wurden für einen Moment ein wenig größer. „Oh.“ Ein zweiter, diesmal weniger vorsichtiger Schluck folgte. Ihre Mundwinkel hoben sich leicht. „Das ist viel besser.“ Es war nur eine Kleinigkeit, und dennoch gefiel ihr der Gedanke, diesmal nicht einfach etwas zu trinken, weil Mammon es ihr hingestellt hatte. Das hier schmeckte ihr. Vielleicht war genau das die harmloseste Möglichkeit, mit seiner Aufforderung zu beginnen. Während sie das Glas in einer Hand hielt, wanderte ihr Blick erneut nach oben zur Galerie. „Können wir auf die Galerie…?“ fragte sie schließlich und sah kurz zu Mammon. „Von dort kann man bestimmt alles sehen, oder?“ Dieses Mal musste sie nicht lange darüber nachdenken. „Da würde ich gern als Nächstes hin.“ Beinahe unbeholfen wagte Hope sich damit Schritt für Schritt weiter vor: Sich zunächst überhaupt einzugestehen, dass sie etwas wollte, und sei es noch so simpel, und diesen Wunsch anschließend sogar auszusprechen. Auf der Treppe bemerkte Hope schon nach den ersten Stufen, dass die Entscheidung noch einen unangenehmen Nebeneffekt hatte: Mammon ging hinter ihr. Ihre Schultern spannten sich unwillkürlich ein wenig an, der Blackberry Bramble wurde fester zwischen ihren Fingern gehalten und nach einigen weiteren Stufen warf sie einen kurzen Blick über die Schulter, nur um festzustellen, wie nah er tatsächlich war. Ihre freie Hand griff beinahe gleichzeitig nach dem unteren Saum ihres Kleides und hielt ihn vorsichtig fest, damit der Stoff beim Hinaufsteigen nicht weiter nach oben rutschte. Ausgerechnet nach dem Fahrstuhl war ihr die Vorstellung, Mammons Blick könnte ihr folgen, deutlich bewusster, als sie es gern gehabt hätte. Ohne wirklich vor ihm wegzulaufen, wurden ihre Schritte für die letzten Stufen dennoch ein wenig schneller. Oben auf der Galerie änderte sich das Gefühl beinahe augenblicklich. Der Bass war weiterhin da, vibrierte unter ihren Füßen und durch das Geländer, doch die Menschenmenge lag nun unter ihr statt unmittelbar um sie herum. Hope blieb zunächst stehen und ließ den Blick über das dunkle Gold, die bewegenden Lichter und die Körper auf der Tanzfläche wandern. Etwas daran kam ihr unerwartet vertraut vor. Nicht der Luxus, nicht die Musik und ganz sicher nicht Mammons Vorstellung von Vergnügen – sondern die Höhe. Das Gefühl, über dem Trubel zu stehen und trotzdem noch Teil derselben Welt zu sein. Für einen Moment dachte sie an das Dach "ihres" Hochhauses, an die Lichter von Los Angeles weit unter ihr und daran, wie viel einfacher die Stadt manchmal wirkte, wenn zwischen ihr und all ihrem Lärm ein paar Stockwerke lagen. Die Anspannung wich sichtbar aus ihren Schultern. Hope trat näher an das Geländer, ohne sich noch an ihrem Kleidersaum festzuhalten, und diesmal erschien auf ihrem Gesicht kein vorsichtiges, halb zurückgenommenes Lächeln. Sie lächelte offen. Frei genug, dass sogar das Begehren darin sichtbar wurde, das Mammon die ganze Zeit aus ihr herauslocken wollte: Sie mochte es hier oben. Sie mochte den Abstand, den Überblick, den Raum zum Atmen. Einen kleinen Schluck ihres Brambles nehmend ließ sie den Blick erneut über die Menge schweifen, diesmal mit deutlich wacherer Aufmerksamkeit, ehe sie schließlich leicht den Kopf zu Mammon drehte und ihn mit großen Augen ansah, in denen sich nun erstmals unverhohlene Neugier zeigte. „Sind das alles Menschen?“ RE: the uninvited guest - Mammon - 24.08.2026 Hope wollte das geballte Kontrastprogramm zu Penthouse? Das bekam sie das auch! Kaum hatte sich die Aufzugstür geöffnet, zeigte sich der Nachtclub von seiner besten Seite, eben so, wie Mammon es am besten gefiel. Oh ja, die Leute sollten sich ihren Wünschen und Begierden hingeben, sollten sich fallen lassen, Spaß haben, sich betrinken oder sonst irgendetwas machen, hauptsache sie ließen ihr Geld hier. Tja und Hope? Mammon bekam sie noch dazu, dass auch sie sich mal fallen ließ, aber dazu musste er nun einmal klein bei ihr anfangen. Erst einmal erklärte er ihr alle Optionen, die sie hier hatten. na gut, es waren nicht alle, denn den Devils Balcony ließ er fürs Erste aus. Er musste ihr ja nicht sofort die ganze Hand hinhalten. Der kleine Finger reichte da auch schon aus und so hatte sich Hope erst einmal für die Bar entschieden. Natürlich ließ der Teufelssohn sie bewusst zuerst gehen. SIE sollte ja entscheiden und danach gehen, was SIE wollte. Alles Teil seines Plans. Sie wollte etwas trinken, was ihr wirklich schmeckte? “Oh, meine Barkeeper werden dir genau das Richtige zaubern.” Versprach er ihr, ehe sie dann an die Bar ankamen und Hope nun dem Barkeeper erklärte, wie ihr Getränk schmecken sollte. Ohne, dass Mammon es sah, gab dieser seinem Angestellten das Zeichen, dass er diesen Drink bevorzugt zubereiten sollte und nur wenige Augenblicke später, war Hopes Getränk auch schon da. Mammon nahm jedoch einen Bourbon, um genau zu sein, einen Macallan, ein wirklich edler und teurer Tropfen. Hope schien zufrieden mit Ihrem, was Mammon zu einem triumphierenden Grinsen brachte. “Ich sagte doch, dass meine Barkeeper dir genau das Richtige zaubern werden.” Er hatte nicht gelogen, etwas, was er sowieso nie tat. Hope hatte derweil sich ein neues Ziel ausgesucht. Sie wollte gern nach oben auf die VIP-Galerie. “Natürlich! Du hast freie Wahl.” Nur, dass sie das noch einmal gehört hatte. Sie sollte schließlich Gefallen daran finden und wie es schien, klappte das langsam. Mit den Getränken in den Händen, ließ er Hope wieder den Vortritt, deutete aber schon von weitem die Security an, dass es vollkommen in Ordnung war, dass Hope passierte. Schließlich kam man nur hier die Treppe hoch, wenn man es auf die Gästeliste geschafft hatte. Hier oben waren schließlich all die einflussreichen Leute zu treffen, die sogenannten VIP-Gäste und mit Verlaub… Hope gehörte sicher nicht dazu. Dank Mammon durfte sie aber die Treppenstufen empor steigen und Mammon tat es hinter ihr gleich. Er bemerkte, wie sie versuchte, ihr Kleid daran zu hindern, weiter nach oben zu rutschen. Mammon mochte zwar Sex, aber so plump war er dann doch nicht und erst Recht nicht hier auf der Treppe! Anscheinend hatte die Sache im Aufzug sie dahingehend beeindruckt. Dabei müsste ihr doch klar sein, dass, WENN Mammon sie nehmen wollte, er es schon längst getan hätte. Auch oben angekommen, ließ Mammon ihr freie Hand, wo sie hingehen wollte. Er folgte ihr und nickte ab und zu grüßend einige Leute. So war das eben, wenn man einen so beeindruckenden Nachtclub besaß. Da musste man eben auch andere Leute begrüßen, selbst, wenn es nur ein Kopfnicken war. Hope blieb schließlich stehen und schaute auf die Leute dort unten herab. Mammon tat es ihr anfangs gleich, ehe er nun seinen Blick zu ihr wandern ließ. Dabei das Glas zu seinem Mund führend, sodass er etwas trinken konnte. Moment… war es das erste Mal, dass er sie offen lächeln sah? Interessant! Hier oben schien sie sich wohler zu fühlen. Ihr ganzer Körper war auch nicht mehr so angespannt. Lag es an der Höhe? Daran, dass hier oben nicht der Pöbel einfach so hinkam? Leicht zogen sich seine Augenbrauen zusammen, entspannten sich aber auch wieder, als er merkte, dass Hopes Blick zu ihm glitt und sie ihn fragte, ob das alles Menschen waren. Mammon schüttelte lachend den Kopf. “Wo denkst du hin?” Waren die ersten Worte, die er zu ihr sprach. “Hier ist jeder willkommen, der sich fallen lassen will, Spaß haben will und seinen tiefsten Wünschen und Begierden hingeben will. Eben jeder, der seinen Geldbeutel erleichtern möchte.” Erklärte er kurz. Es war ein simples Konzept, aber gleichzeitig so genial. “Hier findest du jede Rasse, von Menschen über Werwölfe, Dämonen oder Vampiren.” Fügte er jedoch noch hinzu. “Jeder hat tiefe Wünsche und Begierden oder Schulden, die eben beglichen werden müssen.” Ja, das war die Kehrseite hier. Man konnte sich verschulden. Egal, ob es nun finanziell war, oder weil man den Gefallen, den man eingefordert hatte, nicht zurückzahlen wollte. Denn ja, auch das gab es hier. “Wie es mir scheint, gefällt es dir hier oben sichtlich. Deine Körperhaltung ist sichtlich entspannter. Was ist der Grund? Weil der Pöbel hier oben nicht hinkommt oder an dem Getränk?” RE: the uninvited guest - Hope Marshall - 24.08.2026 Mammons triumphierendes Grinsen über den gelungenen Blackberry Bramble entging Hope natürlich nicht. Über den Rand ihres Glases hinweg sah sie kurz zu ihm, und ihre Mundwinkel hoben sich beinahe widerwillig ein wenig, ehe sie noch einen Schluck nahm. Diesmal musste sie ihm tatsächlich recht geben. Das Getränk schmeckte ihr, und vielleicht lag gerade darin etwas ungewohnt Beruhigendes: Sie hatte gesagt, was sie wollte, ohne den Namen dafür zu kennen, hatte dabei nicht überlegt, was Lamia wohl bestellt hätte oder was Mammon für angemessen hielt, sondern einfach beschrieben, was ihr selbst gefiel – und tatsächlich etwas bekommen, das zu ihr passte. Brombeere, die angenehme Säure, gerade genug Süße und diese Wärme des Alkohols, die diesmal nicht bitter über ihre Zunge kroch, sondern sich erst danach langsam in ihrem Körper ausbreitete. Vielleicht war es nur ein Drink. Trotzdem fühlte es sich ein wenig an wie ein winziger Beweis dafür, dass etwas zu wollen nicht automatisch kompliziert oder gefährlich werden musste. Dass sie auf dem Weg zur Galerie nur deshalb an der Security vorbeikam, weil Mammon bereits aus der Entfernung ein kaum merkliches Zeichen gegeben hatte, fiel ihr allerdings ebenso auf wie die Menschen, die ihn oben grüßten. Ein Nicken hier, ein kurzer Blick dort, selbstverständlich genug, dass Mammon kaum darauf reagieren musste. Hope zog ihr Glas etwas näher an den Körper und ließ den Blick flüchtig über die Gäste schweifen. Sie gehörte eigentlich überhaupt nicht hierher. Nicht zu Menschen, die auf irgendwelchen Gästelisten standen, nicht zwischen Leute, die offenbar wichtig genug waren, um von der Menge unter ihnen abgeschirmt zu werden, und schon gar nicht in diese Welt, durch die Mammon sich bewegte, als gehörte jeder Quadratmeter davon ohnehin ihm. Für einen kurzen Moment kehrte die Unsicherheit zurück; ihre Schultern spannten sich leicht an und sie fragte sich, ob irgendeiner der Anwesenden längst bemerkte, dass sie hier nur wegen des Mannes neben ihr geduldet wurde. Doch dann glitt ihr Blick wieder über das Geländer hinunter und die Höhe schuf erneut genau jene Distanz, die sie brauchte. Als Mammon erklärte, dass dort unten längst nicht nur Menschen waren, wanderte Hopes Aufmerksamkeit sofort zurück in die Menge. Menschen, Werwölfe, Vampire, Dämonen… Sie sah dieselben Körper plötzlich anders an, obwohl sie bei den meisten überhaupt keinen Unterschied erkennen konnte. Ein Paar stand dicht beieinander an der Bar, irgendwo weiter hinten bewegte sich jemand beinahe zu geschmeidig durch die Menschen, und auf der Tanzfläche verschwammen Gesichter im wechselnden Licht ohnehin viel zu schnell, um irgendetwas daraus lesen zu können. Das Wort Schulden ließ ihren Blick allerdings für einen Moment wieder zu Mammon gleiten. Sie sagte nichts dazu. Trotzdem war der Gedanke sofort da: Wie viele von denen dort unten kamen wirklich freiwillig, weil sie tanzen, trinken, jemanden kennenlernen oder irgendeinem anderen Wunsch nachgeben wollten – und wie viele waren hier, weil sie Mammon irgendwann etwas versprochen hatten? Der Club verlor dadurch nichts von seiner Faszination, doch unter all dem Gold, der Musik und den sich bewegenden Körpern tauchte wieder diese zweite, dunklere Ebene auf, die Mammon selbst offenbar überhaupt nicht als Widerspruch empfand. Auf seine Frage, weshalb es ihr hier oben offensichtlich besser gefiel, verzog Hope bei dem Wort Pöbel kaum merklich die Stirn. „Nicht wegen des… Pöbels“, antwortete sie und sprach das Wort so aus, als wäre sie sich noch immer nicht sicher, warum Mammon Menschen überhaupt so bezeichnete. Dann sah sie wieder hinunter. „Weil ich von hier alles sehen kann, ohne mittendrin sein zu müssen.“ Ihre Stimme war deutlich ruhiger geworden. Sie nahm einen kleinen Schluck ihres Brambles, ließ das Glas anschließend locker in ihrer Hand sinken und betrachtete die Lichtreflexe unter ihnen. „Es erinnert mich ein bisschen an mein Dach.“ Ein offenes Lächeln legte sich erneut auf ihr Gesicht. „Da unten ist die Stadt genauso laut. Aber wenn ich oben bin, ist sie weit genug weg, dass ich einfach nur zusehen kann.“ Einen Moment suchte sie nach den richtigen Worten. „Ich kann neugierig sein… ohne zu direkt von etwas überrascht zu werden.“ Genau das schien es zu sein. Unten konnte jederzeit jemand gegen sie stoßen, sie ansprechen oder einfach zu nah kommen. Hier oben sah sie alles vorher. Bewegungen wurden berechenbarer, Menschen kleiner, Geräusche weniger unmittelbar. Es war keine wirkliche Sicherheit, aber genug Abstand, damit die Dunkelhaarige nicht ständig das Gefühl hatte, reagieren zu müssen. Vielleicht bemerkte sie deshalb auch erst einige Sekunden später, dass die Spitze ihres Schuhs begonnen hatte, im Takt der Musik mit zu wippen. Ganz leicht nur, beinahe verborgen unter dem Saum ihres Kleides. Ihr Blick sank überrascht nach unten. Wieder hatte ihr Körper etwas getan, bevor sie darüber nachgedacht hatte. Nach dem Fahrstuhl hätte allein diese Erkenntnis wahrscheinlich sofort neue Fragen ausgelöst, doch diesmal geschah etwas anderes: Hope ließ den Fuß einfach weitermachen. Die Musik gefiel ihr. Der Rhythmus wanderte durch den Boden, über ihre Beine und irgendwo hinein in ihren Körper, und zum ersten Mal an diesem Abend empfand sie es nicht als Bedrohung, dass eine Reaktion entstand, bevor ihr Verstand sie genehmigt hatte. Ein kaum sichtbares Lächeln blieb auf ihren Lippen, während sie wieder nach unten sah. Vielleicht musste nicht jede spontane Regung sofort untersucht, zerlegt und auf ihre Herkunft geprüft werden. Manchmal konnte ein mitwippender Fuß vielleicht wirklich nur bedeuten, dass ihr ein Lied gefiel. „Kannst du bei allen sehen, was sie sind?“, fragte sie schließlich und deutete mit ihrem Glas leicht in Richtung der Menge. Ihre großen Augen wanderten von einem Gast zum nächsten, als könnte Mammon ihr irgendeinen Hinweis verraten, den sie bisher übersehen hatte. Gerade weil Menschen, Vampire, Werwölfe und Dämonen hier offenbar so selbstverständlich nebeneinander existierten, wollte sie plötzlich wissen, wie viel davon für ihn sichtbar war und wie viel lediglich verborgen unter menschlichen Gesichtern blieb. Ihre Aufmerksamkeit blieb schließlich an zwei Gestalten hängen, die sich so eng zueinander neigten, dass zwischen ihnen kaum noch Raum vorhanden war. Einer sagte etwas, das Hope bei der Musik unmöglich hören konnte; der andere lächelte und kam noch näher. Sie beobachtete sie einen Moment länger, ehe eine neue Frage in ihr auftauchte. „Und… merkst du, wenn jemand sich zu jemand anderem hingezogen fühlt?“ Ihre Stimme wurde gegen Ende wieder etwas vorsichtiger. Das Glas hob sich ein wenig, blieb jedoch kurz vor ihren Lippen stehen. „Also… ohne dass er etwas sagt?“ Kaum waren die Worte ausgesprochen, begriff Hope, welche Richtung Mammon ihnen ebenso leicht geben konnte. Die Wärme, die eben noch angenehm vom Bramble gekommen war, schien sich augenblicklich wieder in ihren Wangen zu sammeln. Ihr Blick blieb zunächst auffällig lange bei den Gästen unter ihnen, bevor er schließlich doch zu Mammon wanderte. Neugier lag noch immer offen darin, nun allerdings vermischt mit jener vertrauten Unsicherheit, die immer dann auftauchte, wenn eine harmlose Frage plötzlich viel persönlicher werden konnte, als sie beabsichtigt hatte. Denn während sie ihn ansah, formte sich bereits die nächste Frage in ihrem Kopf, und diesmal war Hope klug genug, sie dort zu behalten. Konnte er das bei ihr auch sehen? RE: the uninvited guest - Mammon - 26.08.2026 Was hatte Hope auch erwartet? Dass sie einfach so die Treppe zur VIP-Galerie emporsteigen könnte? Oh nein, man sah ihr ja förmlich an, dass sie eigentlich hier oben nicht dazu gehörte. Nichts für Ungut, ja, sie war ein hübsches Ding, aber schon allein, wie sie auftrat, schrie schon danach, dass sie eher zu denjenigen gehörte, die ihren Spaß unten genossen. Sie kam gerade in den Genuss eines Privileges, welches sie vermutlich ohne Mammon nicht sonderlich schnell erreicht hätte. Hier oben, erhöht über den normalen Pöbel, wie man ihn bezeichnen konnte. Hier oben hatte man den Überblick und zeigte denen da unten deutlich, dass sie nicht in der gleichen Liga spielten. Tja und Mammon? Er genoss durchaus beide Ebenen, nein eigentlich drei, denn es gab im Club ja noch eine Ebene höher, nämlich sein persönlicher Devils Balcony. Dort oben kam man nur in Begleitung von Lilith, Kisai oder gar ihm selbst hoch. Es reichte somit nicht aus, wenn einer dieser drei Personen vorher bescheid sagte, oh nein, nur mit deren physischer Anwesenheit war dies nur möglich. Aber gut, das war sowieso noch kein Thema, denn noch hatte der Teufelssohn nicht vorgehabt Hope dorthin mitzunehmen. Wieso auch? Bisher hatte sie auch nichts, was Mammon dazu bringen könnte. Ihre Begierde, was das Rächen angeht, ging auch eher Richtung Keller als den Devils Balcony. Ob ihr Wunsch, dorthin zu gehen, bald kommen würde? Einen geeigneten Kandidaten hatte Mammon schließlich schon im Kopf. Ein lächerlicher Arzt, der um den Gefallen gebeten hatte, dass Mammon einen fatalen Fehler von diesem vertuschte. Als Gegenzug hatte Mammon lediglich nur verlangt, dass er ein paar hochdosierte Medikamente springen ließ. Tja, der Arzt wollte dieser wirklich ‘netten’ Bitte nicht nachkommen und so war er nun in einem der Folterräume im Keller. War das nicht ein hervorragendes erstes Opfer für Hope? Doch noch war auch dies erst einmal etwas, was in der Ferne lag. Für einen Moment fragte der Teufelssohn sich, wie Hope darauf kam, dass hier nur Menschen waren. Menschen waren schließlich nicht die einzigen Wesen, die Dinge begehrten, um Gefallen baten oder einfach nur Spaß haben wollten. In jedem Wesen steckte doch so etwas, zumindest, wenn man ihn fragte. Tja und ja, natürlich waren hier Wesen, die in seiner Schuld standen. Doch der überwiegende Teil war hier wirklich nur um Spaß zu haben und im besten Falle Geld hier zu lassen. Mammon sah ihren Blick zu ihm, sagte aber ebenso wenig. Wieso auch? Es wäre Verschwendung und die Frage war sowieso, ob Hope dies wirklich hören wollte. So, wie sie schon ungern das Wort Sex in den Mund nahm, mochte Hope es anscheinend auch genauso wenig das Wort Pöbel sagen. Dies lag aber sicher eher daran, dass sie sich vermutlich selbst dazu zählte, ein Umstand, den Mammon nie passieren würde. Er würde niemals zu dem Pöbel gehören. Oh nein, er war für Größeres bestimmt. Irritiert zogen sich seine Augenbrauen zusammen und sein Kopf bewegte sich kurz leicht nach hinten. “Dein Dach?” Kam ungläubig. Was sollte das denn bitte bedeuten? Dass, sie wie ein Obdachloser irgendwo oben sich ein Plätzchen gesucht hatte? Ja, er hatte sie zuvor schon getroffen gehabt, aber nie hatten sie darüber geredet, wie Hope wohnte. Zugegeben, es hatte Mammon ja auch nie vorher interessiert gehabt. Ehrlicherweise auch jetzt nicht, auch wenn das doch komisch klang. “Oh bitte, wie dumm ist das denn? Neugierig nur aus der Ferne sein. Ich mein… da bekommt man nur einen Bruchteil mit.” Meinte er. WENN Mammon auf etwas oder jemanden neugierig war, dann ging er einfach zu diesem. Was sollte ihm auch schon passieren, so als Sohn des Teufels und Prinz der Hölle? „Kannst du bei allen sehen, was sie sind?“ Mammon sah wieder zu Hope und grinste teuflisch. “Ich kann ihre Auren lesen, genauso, wie deine. Deine ist nicht rein menschlich, oh nein, da ist auch noch etwas Anderes… dämonisches.” Genau deshalb hatte Mammon doch von Anfang an gewusst, dass sie kein reiner Mensch war. Eine wirklich nette Fähigkeit, die er da hatte. Bei weitem nicht die Stärkste, aber dennoch durchaus Wirkungsvoll. Sein Blick folgte schließlich ihrem Glas und dann hin zur Menge und auch Mammon blieb bei diesem Pärchen hängen, die eng umschlungen waren, dass nicht mal mehr ein Löschblatt hindurchpasste. Ob er es merkte, wenn sich zwei zueinander hingezogen fühlen? Mammon lachte kurz auf. “Das ist doch wohl offensichtlich bei den beiden!” Dabei deutete er mit einem Kopfnicken zu den beiden. “Obwohl… ich vermute eher, dass sie sich eher zu seinem Blut hingezogen fühlt.” Jetzt bei genauerer Betrachtung konnte er ‘sehen’ dass es sich bei der Frau um eine Vampirin handelte. Aber hey, es war ihm gleich, ob sie den Typen nachher aussaugte und tötete oder nicht. Hier sollte jeder seiner Begierde nachgehen. Danach sah er jedoch wieder zu Hope und schüttelte jedoch den Kopf. “Aber nein, ich kann es nicht sehen oder spüren und ehrlicherweise ist es mir auch egal, wer sich zu wem hingezogen fühlt, außer es ist deren sehnlichster Wunsch, was ich dann ausnutzen kann, wenn ich es brauche.” So war das nun einmal. “Oder meinst du in Bezug auf mich?” Das konnte ja durchaus möglich sein. “Tja, was soll ich sagen? Jeder fühlt sich in meiner Gegenwart zu mir hingezogen. Ich kann ja auch nichts dafür, dass ich so gutaussehend und anziehend bin.” Meinte er mit einem überheblichen und arroganten Lächeln. Ok, es gab da noch andere Faktoren, wie eben seine Rasse als Nephilim. Menschen fühlten sich zu engelhaften Wesen angezogen und Dämonen wussten um seine Verwandtschaft als Sohn des Teufels. Jeder wollte doch irgendwie ein Kuchenstück davon abhaben. Nur… Mammon allein entschied, wer davon ein Stück probieren durfte und wer nicht. Er sah noch einmal zu den Pöbel hinunter und führte sein Glas abermals an seine Lippen, um sich noch einen Schluck seines Getränks zu gönnen. Es verging ein wenig Zeit, ehe er sich wieder Hope zuwandte. “Und? Wie sieht es aus? Wo möchtest du als nächstes hin?” |