21.08.2026, 12:55
Dass Mammon seine Regeln nun noch einmal so deutlich auf zwei Punkte herunterbrach, machte die Vorstellung von dem Keller nicht unbedingt beruhigender. Hopes Blick blieb einen Moment an den beiden ausgestreckten Fingern hängen, während er erklärte, dass er lediglich zusehen und sie ansonsten ihren Begierden überlassen würde. Ausgerechnet das war es, was sich danach in ihren Gedanken festsetzte. Er würde ihr nicht vorschreiben, was sie tun sollte. Sollte sie tatsächlich irgendwann einem dieser Menschen gegenüberstehen und nichts tun können, wäre auch das ihre Entscheidung. Sollte sie dagegen anfangen und nicht wissen, wann sie aufhören musste, könnte sie ebenso wenig behaupten, jemand anderes hätte sie dazu gebracht.
Doch noch eine andere Frage schob sich dazwischen, während Hope bereits den Mund öffnete und ihn gleich darauf wieder schloss. Wenn Mammons einzige Regel lautete, ihren Begierden nachzugehen – was geschah dann, wenn sie irgendwann einfach aufhören wollte? Wenn genau das in diesem Moment ihr stärkster Wunsch wäre? Müsste er sie dann nicht ebenso gewähren lassen? Für einen Augenblick hob sie den Blick zu ihm, als läge die Frage bereits auf ihrer Zunge, doch schließlich ließ sie sie unausgesprochen. Gerade jetzt wollte sie die Antwort gar nicht wissen. Dass Mammon ihren Wunsch nach Rache überhaupt in etwas verwandelt hatte, das plötzlich erreichbar erschien, beschäftigte sie schon genug.
Seine Reaktion auf ihre andere Frage ließ Hope dagegen beinahe regungslos werden. Sie sah ihn länger an, die Stirn leicht zusammengezogen, und begriff erst nach einigen Sekunden, dass er sie tatsächlich nicht missverstanden hatte. Für Mammon war die Antwort wirklich so einfach. Ihr Körper hatte reagiert, also hatte sie gewollt, was er mit ihm getan hatte. Punkt. Als wäre alles, was Hope darüber hinaus dachte, lediglich eine nachträgliche Ausrede.
Ihr Blick glitt schließlich zur Seite, ohne dass sie erneut versuchte, ihm den Unterschied zu erklären. Sie hatte es bereits getan. Trotzdem blieb etwas von seiner Gewissheit in ihr hängen, weil sie sich nicht vollständig davon freimachen konnte, wie verführerisch einfach diese Vorstellung eigentlich war. Was wäre, wenn sie für einen Moment tatsächlich nur darauf hörte, was ihr Körper sagte? Wenn sie aufhörte, jede Berührung durch Erinnerungen hindurchzuzwingen, jede Reaktion zu überprüfen, jede Regung danach zu sortieren, ob sie zu ihr oder vielleicht doch zu Lamia gehörte? Kein Was, wenn. Kein Das solltest du nicht. Kein Nachdenken darüber, welche Konsequenz ein Gefühl haben konnte. Nur die Frage, ob sich etwas gut anfühlte. Im Fahrstuhl hätte ihr Körper darauf zumindest nicht ausschließlich mit Nein geantwortet.
Allein diese Erkenntnis ließ Wärme erneut in ihr Gesicht steigen. Vielleicht wäre es tatsächlich leichter, die Gedanken einfach auszublenden. Doch Hope wusste ebenso, dass genau diese Gedanken sie bisher gewarnt, geschützt und Grenzen überhaupt erst sichtbar gemacht hatten. Leichter bedeutete nicht automatisch sicherer. Als Mammon sie nach dem Hinaustreten aus dem Fahrstuhl schließlich aufforderte, zu entscheiden, was sie als Erstes begehrte, löste sich ihr Blick von ihm und folgte seiner Hand beinahe automatisch durch den Club.
Bar, Tanzfläche, private Räume, Galerie, Keller. Jedes Mal, wenn seine Finger in eine andere Richtung deuteten, schien ihr Blick von der Bewegung regelrecht mitgezogen zu werden. Bei den privaten Räumen verweilte sie kaum; nach der Enge des Fahrstuhls übte die Vorstellung einer weiteren abgeschiedenen Tür gerade keinerlei Reiz auf sie aus. Auch die Tanzfläche war ihr im ersten Moment zu viel – zu viele Menschen, zu viele Körper, zu wenig Abstand. An der Galerie blieb ihr Blick dagegen merklich länger hängen. Von dort oben müsste man wahrscheinlich fast alles sehen können. Als Mammon schließlich zum Keller deutete, folgten ihre Augen auch diesmal, nur kehrten sie nicht sofort zurück. Irgendwo dort unten lagen also tatsächlich jene Räume, über die sie gerade gesprochen hatten.
Einen Augenblick zu lange sah Hope in diese Richtung, ehe sie sich selbst dabei ertappte und den Blick beinahe hastig wieder löste. Erst danach drang Mammons Wortwahl wirklich zu ihr durch. Was begehrst du? Natürlich hatte er nicht gefragt, was sie sehen wollte. Hope sah kurz zu ihm zurück. Sie verstand inzwischen durchaus, was er versuchte. Er wollte keine vernünftige Entscheidung von ihr. Er wollte etwas, das sie einfach haben wollte. Und vielleicht konnte sie ihm genau das geben, ohne gleich in einem Folterkeller zu landen.
„Die Bar“, antwortete sie schließlich, noch immer etwas zurückhaltend, und deutete mit dem Blick dorthin. „Ich möchte… etwas trinken, das mir auch wirklich schmeckt.“ Der Gedanke an den Scotch ließ ihre Nase kaum merklich kräuseln. „Etwas Süßes. Aber nicht nur süß.“ Sie überlegte sichtbar, weil ihr die Namen irgendwelcher Cocktails ohnehin nichts sagten. „Fruchtig vielleicht. Und ein bisschen säuerlich.“ Nach kurzem Zögern ergänzte sie leiser: „Nur nichts so Bitteres wie der Scotch von eben.“
Der Blackberry Bramble, der schließlich vor ihr stand, sah bereits erheblich freundlicher aus als Mammons Scotch. Hope betrachtete die dunkelviolette Flüssigkeit zunächst misstrauisch, hob das Glas dann aber an die Lippen und nahm vorsichtig einen kleinen Schluck. Brombeere kam zuerst, süß und fruchtig, unmittelbar gefolgt von einer frischen Säure, die verhinderte, dass der Geschmack schwer wurde; der Alkohol meldete sich erst danach als Wärme, statt ihr wie beim Scotch beinahe die Kehle hinunterzubrennen.
Hopes Augen wurden für einen Moment ein wenig größer. „Oh.“ Ein zweiter, diesmal weniger vorsichtiger Schluck folgte. Ihre Mundwinkel hoben sich leicht. „Das ist viel besser.“ Es war nur eine Kleinigkeit, und dennoch gefiel ihr der Gedanke, diesmal nicht einfach etwas zu trinken, weil Mammon es ihr hingestellt hatte. Das hier schmeckte ihr. Vielleicht war genau das die harmloseste Möglichkeit, mit seiner Aufforderung zu beginnen.
Während sie das Glas in einer Hand hielt, wanderte ihr Blick erneut nach oben zur Galerie. „Können wir auf die Galerie…?“ fragte sie schließlich und sah kurz zu Mammon. „Von dort kann man bestimmt alles sehen, oder?“ Dieses Mal musste sie nicht lange darüber nachdenken. „Da würde ich gern als Nächstes hin.“ Beinahe unbeholfen wagte Hope sich damit Schritt für Schritt weiter vor: Sich zunächst überhaupt einzugestehen, dass sie etwas wollte, und sei es noch so simpel, und diesen Wunsch anschließend sogar auszusprechen.
Auf der Treppe bemerkte Hope schon nach den ersten Stufen, dass die Entscheidung noch einen unangenehmen Nebeneffekt hatte: Mammon ging hinter ihr. Ihre Schultern spannten sich unwillkürlich ein wenig an, der Blackberry Bramble wurde fester zwischen ihren Fingern gehalten und nach einigen weiteren Stufen warf sie einen kurzen Blick über die Schulter, nur um festzustellen, wie nah er tatsächlich war. Ihre freie Hand griff beinahe gleichzeitig nach dem unteren Saum ihres Kleides und hielt ihn vorsichtig fest, damit der Stoff beim Hinaufsteigen nicht weiter nach oben rutschte. Ausgerechnet nach dem Fahrstuhl war ihr die Vorstellung, Mammons Blick könnte ihr folgen, deutlich bewusster, als sie es gern gehabt hätte. Ohne wirklich vor ihm wegzulaufen, wurden ihre Schritte für die letzten Stufen dennoch ein wenig schneller.
Oben auf der Galerie änderte sich das Gefühl beinahe augenblicklich. Der Bass war weiterhin da, vibrierte unter ihren Füßen und durch das Geländer, doch die Menschenmenge lag nun unter ihr statt unmittelbar um sie herum. Hope blieb zunächst stehen und ließ den Blick über das dunkle Gold, die bewegenden Lichter und die Körper auf der Tanzfläche wandern. Etwas daran kam ihr unerwartet vertraut vor. Nicht der Luxus, nicht die Musik und ganz sicher nicht Mammons Vorstellung von Vergnügen – sondern die Höhe. Das Gefühl, über dem Trubel zu stehen und trotzdem noch Teil derselben Welt zu sein. Für einen Moment dachte sie an das Dach "ihres" Hochhauses, an die Lichter von Los Angeles weit unter ihr und daran, wie viel einfacher die Stadt manchmal wirkte, wenn zwischen ihr und all ihrem Lärm ein paar Stockwerke lagen.
Die Anspannung wich sichtbar aus ihren Schultern. Hope trat näher an das Geländer, ohne sich noch an ihrem Kleidersaum festzuhalten, und diesmal erschien auf ihrem Gesicht kein vorsichtiges, halb zurückgenommenes Lächeln. Sie lächelte offen. Frei genug, dass sogar das Begehren darin sichtbar wurde, das Mammon die ganze Zeit aus ihr herauslocken wollte: Sie mochte es hier oben. Sie mochte den Abstand, den Überblick, den Raum zum Atmen. Einen kleinen Schluck ihres Brambles nehmend ließ sie den Blick erneut über die Menge schweifen, diesmal mit deutlich wacherer Aufmerksamkeit, ehe sie schließlich leicht den Kopf zu Mammon drehte und ihn mit großen Augen ansah, in denen sich nun erstmals unverhohlene Neugier zeigte. „Sind das alles Menschen?“
Doch noch eine andere Frage schob sich dazwischen, während Hope bereits den Mund öffnete und ihn gleich darauf wieder schloss. Wenn Mammons einzige Regel lautete, ihren Begierden nachzugehen – was geschah dann, wenn sie irgendwann einfach aufhören wollte? Wenn genau das in diesem Moment ihr stärkster Wunsch wäre? Müsste er sie dann nicht ebenso gewähren lassen? Für einen Augenblick hob sie den Blick zu ihm, als läge die Frage bereits auf ihrer Zunge, doch schließlich ließ sie sie unausgesprochen. Gerade jetzt wollte sie die Antwort gar nicht wissen. Dass Mammon ihren Wunsch nach Rache überhaupt in etwas verwandelt hatte, das plötzlich erreichbar erschien, beschäftigte sie schon genug.
Seine Reaktion auf ihre andere Frage ließ Hope dagegen beinahe regungslos werden. Sie sah ihn länger an, die Stirn leicht zusammengezogen, und begriff erst nach einigen Sekunden, dass er sie tatsächlich nicht missverstanden hatte. Für Mammon war die Antwort wirklich so einfach. Ihr Körper hatte reagiert, also hatte sie gewollt, was er mit ihm getan hatte. Punkt. Als wäre alles, was Hope darüber hinaus dachte, lediglich eine nachträgliche Ausrede.
Ihr Blick glitt schließlich zur Seite, ohne dass sie erneut versuchte, ihm den Unterschied zu erklären. Sie hatte es bereits getan. Trotzdem blieb etwas von seiner Gewissheit in ihr hängen, weil sie sich nicht vollständig davon freimachen konnte, wie verführerisch einfach diese Vorstellung eigentlich war. Was wäre, wenn sie für einen Moment tatsächlich nur darauf hörte, was ihr Körper sagte? Wenn sie aufhörte, jede Berührung durch Erinnerungen hindurchzuzwingen, jede Reaktion zu überprüfen, jede Regung danach zu sortieren, ob sie zu ihr oder vielleicht doch zu Lamia gehörte? Kein Was, wenn. Kein Das solltest du nicht. Kein Nachdenken darüber, welche Konsequenz ein Gefühl haben konnte. Nur die Frage, ob sich etwas gut anfühlte. Im Fahrstuhl hätte ihr Körper darauf zumindest nicht ausschließlich mit Nein geantwortet.
Allein diese Erkenntnis ließ Wärme erneut in ihr Gesicht steigen. Vielleicht wäre es tatsächlich leichter, die Gedanken einfach auszublenden. Doch Hope wusste ebenso, dass genau diese Gedanken sie bisher gewarnt, geschützt und Grenzen überhaupt erst sichtbar gemacht hatten. Leichter bedeutete nicht automatisch sicherer. Als Mammon sie nach dem Hinaustreten aus dem Fahrstuhl schließlich aufforderte, zu entscheiden, was sie als Erstes begehrte, löste sich ihr Blick von ihm und folgte seiner Hand beinahe automatisch durch den Club.
Bar, Tanzfläche, private Räume, Galerie, Keller. Jedes Mal, wenn seine Finger in eine andere Richtung deuteten, schien ihr Blick von der Bewegung regelrecht mitgezogen zu werden. Bei den privaten Räumen verweilte sie kaum; nach der Enge des Fahrstuhls übte die Vorstellung einer weiteren abgeschiedenen Tür gerade keinerlei Reiz auf sie aus. Auch die Tanzfläche war ihr im ersten Moment zu viel – zu viele Menschen, zu viele Körper, zu wenig Abstand. An der Galerie blieb ihr Blick dagegen merklich länger hängen. Von dort oben müsste man wahrscheinlich fast alles sehen können. Als Mammon schließlich zum Keller deutete, folgten ihre Augen auch diesmal, nur kehrten sie nicht sofort zurück. Irgendwo dort unten lagen also tatsächlich jene Räume, über die sie gerade gesprochen hatten.
Einen Augenblick zu lange sah Hope in diese Richtung, ehe sie sich selbst dabei ertappte und den Blick beinahe hastig wieder löste. Erst danach drang Mammons Wortwahl wirklich zu ihr durch. Was begehrst du? Natürlich hatte er nicht gefragt, was sie sehen wollte. Hope sah kurz zu ihm zurück. Sie verstand inzwischen durchaus, was er versuchte. Er wollte keine vernünftige Entscheidung von ihr. Er wollte etwas, das sie einfach haben wollte. Und vielleicht konnte sie ihm genau das geben, ohne gleich in einem Folterkeller zu landen.
„Die Bar“, antwortete sie schließlich, noch immer etwas zurückhaltend, und deutete mit dem Blick dorthin. „Ich möchte… etwas trinken, das mir auch wirklich schmeckt.“ Der Gedanke an den Scotch ließ ihre Nase kaum merklich kräuseln. „Etwas Süßes. Aber nicht nur süß.“ Sie überlegte sichtbar, weil ihr die Namen irgendwelcher Cocktails ohnehin nichts sagten. „Fruchtig vielleicht. Und ein bisschen säuerlich.“ Nach kurzem Zögern ergänzte sie leiser: „Nur nichts so Bitteres wie der Scotch von eben.“
Der Blackberry Bramble, der schließlich vor ihr stand, sah bereits erheblich freundlicher aus als Mammons Scotch. Hope betrachtete die dunkelviolette Flüssigkeit zunächst misstrauisch, hob das Glas dann aber an die Lippen und nahm vorsichtig einen kleinen Schluck. Brombeere kam zuerst, süß und fruchtig, unmittelbar gefolgt von einer frischen Säure, die verhinderte, dass der Geschmack schwer wurde; der Alkohol meldete sich erst danach als Wärme, statt ihr wie beim Scotch beinahe die Kehle hinunterzubrennen.
Hopes Augen wurden für einen Moment ein wenig größer. „Oh.“ Ein zweiter, diesmal weniger vorsichtiger Schluck folgte. Ihre Mundwinkel hoben sich leicht. „Das ist viel besser.“ Es war nur eine Kleinigkeit, und dennoch gefiel ihr der Gedanke, diesmal nicht einfach etwas zu trinken, weil Mammon es ihr hingestellt hatte. Das hier schmeckte ihr. Vielleicht war genau das die harmloseste Möglichkeit, mit seiner Aufforderung zu beginnen.
Während sie das Glas in einer Hand hielt, wanderte ihr Blick erneut nach oben zur Galerie. „Können wir auf die Galerie…?“ fragte sie schließlich und sah kurz zu Mammon. „Von dort kann man bestimmt alles sehen, oder?“ Dieses Mal musste sie nicht lange darüber nachdenken. „Da würde ich gern als Nächstes hin.“ Beinahe unbeholfen wagte Hope sich damit Schritt für Schritt weiter vor: Sich zunächst überhaupt einzugestehen, dass sie etwas wollte, und sei es noch so simpel, und diesen Wunsch anschließend sogar auszusprechen.
Auf der Treppe bemerkte Hope schon nach den ersten Stufen, dass die Entscheidung noch einen unangenehmen Nebeneffekt hatte: Mammon ging hinter ihr. Ihre Schultern spannten sich unwillkürlich ein wenig an, der Blackberry Bramble wurde fester zwischen ihren Fingern gehalten und nach einigen weiteren Stufen warf sie einen kurzen Blick über die Schulter, nur um festzustellen, wie nah er tatsächlich war. Ihre freie Hand griff beinahe gleichzeitig nach dem unteren Saum ihres Kleides und hielt ihn vorsichtig fest, damit der Stoff beim Hinaufsteigen nicht weiter nach oben rutschte. Ausgerechnet nach dem Fahrstuhl war ihr die Vorstellung, Mammons Blick könnte ihr folgen, deutlich bewusster, als sie es gern gehabt hätte. Ohne wirklich vor ihm wegzulaufen, wurden ihre Schritte für die letzten Stufen dennoch ein wenig schneller.
Oben auf der Galerie änderte sich das Gefühl beinahe augenblicklich. Der Bass war weiterhin da, vibrierte unter ihren Füßen und durch das Geländer, doch die Menschenmenge lag nun unter ihr statt unmittelbar um sie herum. Hope blieb zunächst stehen und ließ den Blick über das dunkle Gold, die bewegenden Lichter und die Körper auf der Tanzfläche wandern. Etwas daran kam ihr unerwartet vertraut vor. Nicht der Luxus, nicht die Musik und ganz sicher nicht Mammons Vorstellung von Vergnügen – sondern die Höhe. Das Gefühl, über dem Trubel zu stehen und trotzdem noch Teil derselben Welt zu sein. Für einen Moment dachte sie an das Dach "ihres" Hochhauses, an die Lichter von Los Angeles weit unter ihr und daran, wie viel einfacher die Stadt manchmal wirkte, wenn zwischen ihr und all ihrem Lärm ein paar Stockwerke lagen.
Die Anspannung wich sichtbar aus ihren Schultern. Hope trat näher an das Geländer, ohne sich noch an ihrem Kleidersaum festzuhalten, und diesmal erschien auf ihrem Gesicht kein vorsichtiges, halb zurückgenommenes Lächeln. Sie lächelte offen. Frei genug, dass sogar das Begehren darin sichtbar wurde, das Mammon die ganze Zeit aus ihr herauslocken wollte: Sie mochte es hier oben. Sie mochte den Abstand, den Überblick, den Raum zum Atmen. Einen kleinen Schluck ihres Brambles nehmend ließ sie den Blick erneut über die Menge schweifen, diesmal mit deutlich wacherer Aufmerksamkeit, ehe sie schließlich leicht den Kopf zu Mammon drehte und ihn mit großen Augen ansah, in denen sich nun erstmals unverhohlene Neugier zeigte. „Sind das alles Menschen?“

