Vor 8 Stunden
Was bleibt
Im Anschluss an ihre Heilung durch himmlische Magie findet Lilith trotz starker Medikation nicht zur Ruhe. Getrieben von ihrer inneren Rastlosigkeit, sucht sie einen Ausweg - wortwörtlich.
Es wirkte nicht. Eine Dosis, die drei erwachsene Männer auf die Intensivstation würde befördern können – das waren Mammons Worte gewesen, als er ihr die Tabletten übergeben hatte. Sie hatten sie allein gelassen, er und Kisai, kurz nachdem auch Medea gegangen war, und Lilith hatte nicht allzu lange gezögert, ehe sie sie einnahm. Zu unterträglich war ihr Zustand, ihr Körper permanent zerrissen zwischen der Erschöpfung, die ihren Geist nach unten zu ziehen schien, und der reinen, brutalen Energie, die verhinderte, dass sie Ruhe fand.
Aber die Tabletten wirkten nicht. Das Zittern ihrer Gliedmaßen ließ nicht nach, ihr Herz pochte weiterhin wutentbrannt gegen das Innere ihres Brustkorbes. Zu deutlich spürte sie noch immer die Hitze der gleißenden, überschüssigen Magie, unter jeder einzelnen Flamme, die ihre Haut zierte, sodass auch jeder direkt sah, wie sehr sie diesmal gegen die Regeln verstoßen hatte. Sie glühte. Innerlich, durch die immense Hitze, aber auch sichtbar. Und auch nur eine Sekunde länger im Bett zu verweilen, nachdem sie sich schon unzählige Male zwischen den seidenweichen Laken von der einen zur anderen Seite und wieder zurückgewälzt hatte, war einfach keine Option.
Ihr Körper zwang sie förmlich dazu, aufzustehen.
Sie warf die Decke zur Seite und erhob sich. Ihr Bein war nicht mehr gebrochen, dennoch waren beide ungewöhnlich instabil aufgrund des Zitterns, das sie unentwegt begleitete. Ein paar Schritte, langsam, aber gleichzeitig hastig, irrer Widerspruch, der sie aktuell war. Alles an ihr, ihr Leben, ihr Zustand, ihr Körper… ein einziger Gegensatz.
Sie verließ ihr Schlafzimmer und ging hinaus in den Wohnbereich des Penthouses. Am Türrahmen musste sie kurz innehalten, Luft holen, ihrem Herz, das ihren Körper – ihren sterblichen Körper, neuerdings – nun tatsächlich am Leben halten musste, eine kurze Pause gönnend. Wie lange es das hier wohl noch durchhalten würde?
Ihrer aller Theorie war gewesen, dass die Magie sich verflüchtigen würde, wenn sie nur lange genug wartete. Irgendwann… und im besten Fall betäubte sie sich bis dahin. Nun, das hatte nicht funktioniert. Und das ‚Abwarten‘ gestaltete sich ebenfalls schwierig, ganz besonders wenn sie innerlich bereit war, direkt die Wand hinaufzukriechen.
Sie durchquerte den Sitzbereich im Wohnzimmer, ohne wirkliches Ziel, ohne wirklichen Plan, außer, dass sie weg musste. Weg von ihrem Bett, weg von allem, das sie festhielt. Nach draußen.
Plötzlich stand sie vor der Glasfront, die den Blick nach unten auf den Club freigab. Unfreiwillig hielt sie inne, ihr Blick kurz verloren im Bild, das das Valen unter ihr abgab. Es war voll, es war mitten in der Nacht, aber die Besucher feierten noch ausgelassen. Musik, wechselnde Beleuchtung, tanzende Menschen, die vor ihren Augen zu einer breiten Masse verschwommen, während sie realisierte, wie sehr sie dort nicht hingehörte. Nicht mehr.
Es war ein seltsam bizarres Gefühl, dass alles auf der Welt genauso weiter funktionierte wie immer. Nur sie stand hier, barfuß, in ihrer Nachtwäsche. Unfähig, dorthin zurückzukehren, unfähig schon, überhaupt irgendwie zu funktionieren.
Aber so konnte sie auch nicht nach draußen gehen. Nicht, weil es sie persönlich störte, sondern vielmehr weil das irritierende Glühen wie ein Scheinwerfer auf sie zeigte und die Tatsache, dass sie Nutznießerin einer verbotenen Engelsheilung geworden war, schreiend in die Welt hinaus trug.
Aber ihre Kleidung, die, die Kisai vor ein paar Tagen aus ihrem eigenen Penthouse geholt hatte, wäre niemals ausreichend, um die Auswirkungen zu verbergen. Nicht groß genug, nicht bedeckend genug… sie brauchte etwas anderes.
Und so landete sie in Mammons Kleiderschrank, vor dem Teil, der überraschend viele Mäntel beherbergte dafür, dass sie sich in Südkalifornien befanden. Aber umso besser für sie.
Lilith nahm nicht den erstbesten, den sie greifen konnte, sondern wählte bewusst einen besonders schweren, schwarzen; lang war er allein schon deshalb an ihr, weil Mammon sie körperlich ein wenig überragte und sie aktuell keine Schuhe trug. Sie zog ihn sich über und wollte sich umwenden zum Gehen, als sie aus dem Augenwinkel einen Blick auf ihre eigene Erscheinung im Spiegel erhaschte. Sie erkannte sich kaum wieder: Ein Schatten nur noch dessen, wofür sie vor wenigen Tagen noch stand – Macht, Herrschaft, Eleganz, Anmut und Überlegenheit.
Und inzwischen ein schwarzer Mantel, der zwanghaft versuchte, weißes Licht zu verbergen.
Aber die Tabletten wirkten nicht. Das Zittern ihrer Gliedmaßen ließ nicht nach, ihr Herz pochte weiterhin wutentbrannt gegen das Innere ihres Brustkorbes. Zu deutlich spürte sie noch immer die Hitze der gleißenden, überschüssigen Magie, unter jeder einzelnen Flamme, die ihre Haut zierte, sodass auch jeder direkt sah, wie sehr sie diesmal gegen die Regeln verstoßen hatte. Sie glühte. Innerlich, durch die immense Hitze, aber auch sichtbar. Und auch nur eine Sekunde länger im Bett zu verweilen, nachdem sie sich schon unzählige Male zwischen den seidenweichen Laken von der einen zur anderen Seite und wieder zurückgewälzt hatte, war einfach keine Option.
Ihr Körper zwang sie förmlich dazu, aufzustehen.
Sie warf die Decke zur Seite und erhob sich. Ihr Bein war nicht mehr gebrochen, dennoch waren beide ungewöhnlich instabil aufgrund des Zitterns, das sie unentwegt begleitete. Ein paar Schritte, langsam, aber gleichzeitig hastig, irrer Widerspruch, der sie aktuell war. Alles an ihr, ihr Leben, ihr Zustand, ihr Körper… ein einziger Gegensatz.
Sie verließ ihr Schlafzimmer und ging hinaus in den Wohnbereich des Penthouses. Am Türrahmen musste sie kurz innehalten, Luft holen, ihrem Herz, das ihren Körper – ihren sterblichen Körper, neuerdings – nun tatsächlich am Leben halten musste, eine kurze Pause gönnend. Wie lange es das hier wohl noch durchhalten würde?
Ihrer aller Theorie war gewesen, dass die Magie sich verflüchtigen würde, wenn sie nur lange genug wartete. Irgendwann… und im besten Fall betäubte sie sich bis dahin. Nun, das hatte nicht funktioniert. Und das ‚Abwarten‘ gestaltete sich ebenfalls schwierig, ganz besonders wenn sie innerlich bereit war, direkt die Wand hinaufzukriechen.
Sie durchquerte den Sitzbereich im Wohnzimmer, ohne wirkliches Ziel, ohne wirklichen Plan, außer, dass sie weg musste. Weg von ihrem Bett, weg von allem, das sie festhielt. Nach draußen.
Plötzlich stand sie vor der Glasfront, die den Blick nach unten auf den Club freigab. Unfreiwillig hielt sie inne, ihr Blick kurz verloren im Bild, das das Valen unter ihr abgab. Es war voll, es war mitten in der Nacht, aber die Besucher feierten noch ausgelassen. Musik, wechselnde Beleuchtung, tanzende Menschen, die vor ihren Augen zu einer breiten Masse verschwommen, während sie realisierte, wie sehr sie dort nicht hingehörte. Nicht mehr.
Es war ein seltsam bizarres Gefühl, dass alles auf der Welt genauso weiter funktionierte wie immer. Nur sie stand hier, barfuß, in ihrer Nachtwäsche. Unfähig, dorthin zurückzukehren, unfähig schon, überhaupt irgendwie zu funktionieren.
Aber so konnte sie auch nicht nach draußen gehen. Nicht, weil es sie persönlich störte, sondern vielmehr weil das irritierende Glühen wie ein Scheinwerfer auf sie zeigte und die Tatsache, dass sie Nutznießerin einer verbotenen Engelsheilung geworden war, schreiend in die Welt hinaus trug.
Aber ihre Kleidung, die, die Kisai vor ein paar Tagen aus ihrem eigenen Penthouse geholt hatte, wäre niemals ausreichend, um die Auswirkungen zu verbergen. Nicht groß genug, nicht bedeckend genug… sie brauchte etwas anderes.
Und so landete sie in Mammons Kleiderschrank, vor dem Teil, der überraschend viele Mäntel beherbergte dafür, dass sie sich in Südkalifornien befanden. Aber umso besser für sie.
Lilith nahm nicht den erstbesten, den sie greifen konnte, sondern wählte bewusst einen besonders schweren, schwarzen; lang war er allein schon deshalb an ihr, weil Mammon sie körperlich ein wenig überragte und sie aktuell keine Schuhe trug. Sie zog ihn sich über und wollte sich umwenden zum Gehen, als sie aus dem Augenwinkel einen Blick auf ihre eigene Erscheinung im Spiegel erhaschte. Sie erkannte sich kaum wieder: Ein Schatten nur noch dessen, wofür sie vor wenigen Tagen noch stand – Macht, Herrschaft, Eleganz, Anmut und Überlegenheit.
Und inzwischen ein schwarzer Mantel, der zwanghaft versuchte, weißes Licht zu verbergen.

